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Chronik

Überall im Westerwald trifft man an den Fluss- und Bachläufen auf Mühlengehöfte. Doch leider dreht sich kaum noch ein Mühlrad, es sei denn als Touristenattraktion. Die meisten Mühlen sind mittlerweile außer Betrieb und werden zu anderen Zwecken, oder auch gar nicht mehr benutzt. Einst, als der Müllerwagen über die Dörfer fuhr, um das Getreide der Bauern zum Mahlen zu holen, waren die Mühlen noch mit Leben erfüllt, denn Sie erzeugten ja auch eins der wichtigsten Nahrungsmittel, das Mehl für unser tägliches Brot. Oft gehörte zu solch einer Mühle noch ein größerer Grundbesitz und eine einträgliche Landwirtschaft.

Auch bei der Langenbacher Mühle, die in Hochwald eingebettet, am südlichsten Zipfel der Gemarkungsgrenze, im Tal der Kleinen Nister liegt, war das so. Der Mühlgraben, dessen Wasser das geheimnisvolle Rad in Betrieb setzte, wurde und wird noch von diesem Flüsschen gespeist. Er war an der Abzweigung regulierbar und musste dort ständig überwacht werden. Wann das erste Wasserrad die Mühlsteine in Bewegung gesetzt hat, ist nicht überliefert.


Das Original Mühlrad steht heute noch auf dem Geländer der Mühle.
Mittlerweile wurde es durch ein neues ersetzt, das immer noch zu Dekorationszwecken in Betrieb ist.

 

1716

Die Mühle befand sich in einem so schlechten Zustand, daß sie von Grund auf erneuert werden musste. (Aus einer alten Chronik überliefert).

 

1744/45

Unterlagen aus dem Hessischen Hauptstaatsarchiv berichten von einem Verkauf der Mühle.

 

Kaufbrief betreffend

Martin Hebels Erben

John Jacob Weylands Erben

Und

Theis Weinbrenner, Witwe von Langenbach

Als

Verkäufer

Und

Johann Länges, Müller

Von Hirtscheid, Kirchspiel

Alpenrod als

Käufer

 

 

Das dieser Kauf  7 Sonntage nacheinander von der Kirchspielkirche zu Kirburg aufgerufen, und hat sich zwar Christian Weyand von Langenbach angegeben, zweifach abzuschreiben, noch hat sich John Daniel Schnell daselbst als noch ein Schwager zur rechten Zeit angegeben diesen ganzen Kauf abzuschreiben und ist der letzte Aufruf geschehen.

9.August1744

Johs Müller Schultheis

 

Das dieser Kaufbrief heut Dato in das Erblieferbuch eingeschrieben worden, wird hierdurch beschienen und John Daniel Schnell als letzter ab erkaufter Mühle beerbt.

Hachenburg 5.aprillius 1745

Friedrich Wilhelm Wend.
Mpp.

 

Und so ging es weiter mit der Langenbacher Mühle:

Johann Peter Löhr, geb. am 31.10.1781 in Friedewald und seine Ehefrau Elisabeth Marie, geb. Schneider aus Langenbach waren nachweislich die Eltern des Mühlenbesitzers Johann Peter Löhr, der 1806 in Langenbach b. K. geboren wurde. Er heiratete die Friderike Weyand aus Langenbach.

Wann die Mühle in den Familienbesitz Löhr übergegangen ist, ließ sich nicht ermitteln.

 

1833

Der Langebacher Mühle wurde entweder zum ersten Mal oder auch aufs Neue eine Konzession zum Betreiben einer Ölmühle erteilt.

 

1838

Wilhelm Löhr, der Sohn des Johann Peter Löhr, wurde in der Mühle geboren.

 

1872

Dessen Sohn, Robert Löhr, heiratete eine Emma Auguste Remy aus Langenbach.

Die Mühle war nun schon in der dritten Generation im Besitz der Familie Löhr. Aus dem Brandkataster konnten wir einiges über den Mühlenbetrieb des Wilhelm Löhr erfahren:

 

Gebäude

 

Bau                            Länge             Tiefe          Stockhöhe       Dachhöhe   
Wohnhaus 10,00 m 8,60 m 2,80 m 4,00 m
Scheune/Stall 10,00 m 8,60 m 3,00 m 4,00 m
Mahlmühle 11,80 m 6,90 m 2,50 m 2,00 m
Werkstätte 4,30 m 5,30 m 2,30 m 3,00 m
Remise 5,30 m 2,00 m 1,60 m 1,00 m
Ölmühle 7,50 m 4,00 m 2,00 m 3,00 m
Lohmühle 8,20 m 5,50 m 2,30 m 4,00 m


 

Mahlmühle, laufendes Geschirr in derselben:

1Wasserrad, 1 Welle mit Zapfen, 2 Sternräder, 2 konische Räder, 1 eiserne Vorlage mit Kronrad, 1 Königswelle nebst allem Zubehör, 2 Mühlsteine, 2 Zargen mit Trichter und Mehlkasten.

 

Ölmühle, laufendes Geschirr:

1 Wasserrad mit Gerinn, 1 Welle mit Zapfen, 1 Stirnrad, 1 kleine Welle mit Stirnrad, 1 Presse mit 4 Stampfern und 1 Stein.

 

Lohmühle

Sie gehörte dem Gerber Ludwig Schnell. Die Gerberei befand sich im Dorf – heute Hauptstraße 13.

Laufendes Geschirr:

1 Wasserrad mit Gerinn, 1 Welle mit Zapfen, 1 Kammrad, 2 Mühlsteine mit Zarge und Trichter.

 

Da in dem Brandkatasterbuch von 1874 noch keine Schneidemühle erwähnt ist, kann man annehmen, daß sie erst später erbaut wurde. Denn auch dafür hat man sich die Wasserkraft zunutze gemacht.

 

1902

Der Gemeinderat hatte über den Umbau der Schneidemühle zu befinden. Der wurde einstimmig gebilligt. Die Schneidemühle stellte überwiegend Eisenbahnschwellen her, die aus Eichenstämmen geschnitten wurden. Teilweise wurde da Holz mit Pferdefuhrwerken von weither angefahren.

Erbauseinandersetzungen und auch Misserfolge in der Schneidermühle veranlassten Robert Löhr, den Mühlenbetrieb zu verkaufen.

 

1903-1905

Ein Verwandter der Familie, der angesehene und begüterte Wilhelm Weyand, kaufte das Mühlengehöft. Der Übergabezeitpunkt Muss zwischen 1903 und 1905 gewesen sein.

 

 

1906

Eine Rechnung an die Gemeinde über „die Lieferung von Bretzeln zu Kaisers Geburtstag“ von der Bäckerei Wilhelm Weyand liefert den Beweis, daß auf der Mühle nicht nur Getreide gemahlen, sondern auch verbacken wurde. Alte Dorfbürger wissen von einem köstlichen Brot zu berichten, das nach einem besonderen Rezept gebacken wurde.

 

Außer der Landwirtschaft wurde auf der Mühle auch noch eine große Schafzucht betrieben. Schafhirte war der Bruder des Mühlenbesitzers, Ludwig Weyand.

 

Zusätzlich zu  der Schneidermühle, in der Hochbetrieb herrschte, war noch eine Drechslerei ins Leben gerufen worden, in der es auch bald viel zu tun gab.

 

In jener Zeit gab es auf der Langenbacher Mühle bemerkenswert vielseitige bäuerliche und handwerkliche Tätigkeiten.

 

Wer damals zur Mühle kam, sah auf den Weiden Pferde, Kühe und Rinder, grunzende Schweine in ihrem Auslauf welche die Hühner scheuchten, die sich dorthin verirrt hatten, schnatternde Gänse auf dem Hof oder blökende Schafe auf einer Wiese. Man hörte den kreischenden Ton der Säge, die sich in einen Stamm fraß und zu allem klapperte die Mühle.

 

1916

Die nächste Generation war an der Reihe. Karl Weyand übernahm den Mühlenbesitz.

 

1920/26

Anfang der zwanziger Jahre wurde der Schneidemühlenbetrieb, im Jahre 1926 auch der Bäckereibetrieb eingestellt.

 

1930

Um den Mühlenbetrieb vom Wasser unabhängiger zu machen, wurden Dieselmotoren angeschafft, die aber nur in Betrieb genommen wurden, wenn Wasserknappheit herrschte. Für die Hausbeleuchtung sorgte eine eigene, mit Wasserkraft betriebene Stromversorgung.

 

1939

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Mühle an das allgemeine Stromnetz angeschlossen.

Das Brauchwasser für den Haushalt bezog man aus eigener Quelle. Viele Leser werden sich noch an die Sonntagsspaziergänge in das idyllische Tal und zur Mühle erinnern: Wenn einem der stolze Pfau mit seinem bunten Federrad begegnete, wenn der Gänserich zischend mit gestrecktem Hals angriffslustig angerannt kam oder die Wachhunde kläffend und knurrend in die Ketten sprangen. Man schauderte, wenn der Müller eine Seitentür öffnete, und das große Wasserrad zeigte. Manchmal erzählte er dann eine seiner abenteuerlichen Geschichten. Es war schon etwas Besonderes, zur Mühle zu gehen. In jener Zeit war es auch, als die Mühle von Erholungssuchenden als Urlaubsziel entdeckt wurde. Wer einmal dort gewesen war, wurde bald Stammgast. Doch all das sind heute nur noch schöne Erinnerungen.

 

1956

Dem wirtschaftlichen Aufschwung fielen die meisten der Wassermühlen zum Opfer. Sie arbeiteten nicht rentabel genug. Die meisten stellten ihren Betrieb ein. Darunter auch die Langenbacher Mühle.

Der letzte offizielle Mahltag war am 30.06.1956.

Mit einer finanziellen Entschädigung war die Auflage verbunden, den Mühlenbetrieb die nächsten 30 Jahre ruhen zu lassen. Dann wurde die Mühle unter der Registratur Nr. 691 stillgelegt.

 

1971

Im Oktober dieses Jahres verkaufte Erna Herrmann, die Tochter von Karl Weyand, das Mühlenwesen an den Unternehmer Walter Baumann, der nun dort eine Viehwirtschaft betreibt.

 


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Langenbacher Mühle
Langenbacher Mühle 1
57520 Langenbach
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